Ein kurzer Blick in die Geschichte ...

Einweihung Fliegerdenkmal 1923 © GFS
Lockte tausende Besucher auf die Wasserkuppe: Die Einweihung des Fliegerdenkmals im Jahr 1923 © GFS e.V.

Als "Berg der Flieger" bietet die Wasserkuppe den traditionsreichsten Hintergrund, den sich begeisterte Flugsportler überhaupt wünschen können. Die Fliegerschule Wasserkuppe befindet sich an dem Ort, an dem das Segelfliegen "erfunden" wurde.

Im Jahr 1911 starteten Darmstädter Studenten ihre ersten Flugversuche mit Gleitflugzeugen auf er baumfreien Kuppe in der hessischen Rhön und entwickelten die Kunst des motorlosen Fliegens. Nach dem ersten Weltkrieg, unter den strengen Auflagen des Versailler Vertrags, der den Motorflug in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg verbot, kamen immer mehr Flugbegeisterte auf die Wasserkuppe, um völlig unterschiedliche Konzepte von Segelflugapparaten, Starttechniken und Auftriebsnutzungen zu erproben.

Mit dem Bau der ersten Flugschule auf der Wasserkuppe wurde dann bereits im Jahr 1924 begonnen - im August stand das Gebäude der "Martens Flugschule", wie die Flugschule damals hieß. Als erster Lehrer wurde Fritz Stamer eingestellt, der auch die "Weißen Möwen" als Emblem der Wasserkuppe entwarf.

Die Trägerschaft der Schule wechselt in der Folgezeit zur "Rhön-Rositten-Gesellschaft", einer Vorläuferin der heutigen Gesellschaft zur Förderung des Segelflugs auf der Wasserkuppe e.V. (GFS). Die Erfolge der Segelflugschule ließen auch nicht lange auf sich warten: 91 A-, 95 B- und 17 C-Prüfungen wurden bereits 1927 absolviert. 

Ein früher Gummiseilstart auf der Wasserkuppe

In der Zeit der Nazi-Herrschaft wurden alle fliegerischen Aktivitäten gleichgeschaltet und auch die Fliegerei auf der Wasserkuppe dem Nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK) unterstellt. In dieser Zeit entstanden auch die ehemaligen Kasernengebäude, in der heute die DJO untergebracht ist, sowie die alte Rüsthalle, in der heute der Oldtimer Segelflugclub sein Domizil hat. Die Zeit des Privaten Fliegens war somit vorbei, es wurde allein unter militärischen Gesichtspunkten geflogen. Die GFS ist dabei, auch dieses dunkle Kapitel ihrer Geschichte historisch aufzuarbeiten, um - auch als Mahnung an die heutigen Generationen - die Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete sich 1947 der "Ring der weißen Möwen", ans Fliegen war aber noch lange nicht zu denken. 1950 wurde in Gersfeld am Fuße der Wasserkuppe der Deutsche Aero-Club (DAeC) gegründet! Erst 1951 fiel das Verbot der Alliierten, Segelflugzeuge zu besitzen oder zu bauen. In diesem Jahr versammelten sich rund 50.000 Menschen auf der Wasserkuppe, um den Wiederbeginn des Flugbetriebs zu feiern, aber auch um der toten Fliegerkameraden aller Länder zu gedenken.

Im Jahr 1954 wurde das Segelfluggelände Wasserkuppe wieder freigegeben. Mit einer neu gebauten Halle, entsprechenden Anbauten und neuen Flugzeugen verbesserten sich die Angebote der Segelflugschule Wasserkuppe für die flugbegeisterten Besucher - die Wasserkuppe hatte ihre alte Anziehungkraft als "Berg der Flieger" wiedererlangt.

Seither hat sich die Segelflugschule Wasserkuppe kontinuierlich weiterentwickelt: Mit stets modernen Flugzeugen, dem Bau einer neuen Halle, die Verbesserung der Start- und Landeflächen. Einen enormen Zuwachs ermöglichte ein weiteres historisches Ereignis: Mit dem Fall der Mauer und der friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands lag die Wasserkuppe jetzt wieder mitten in Deutschland! Vor 1989 war der Eiserne Vorhang nicht einmal 10 km Luftlinie von der Wasserkuppe entfernt, und nicht selten mussten Segelflieger in der DDR außenlanden, was stehts diplomatische Verwicklungen nach sich zog: Pilotin/Pilot wurde verhaftet, das Flugzeug beschlagnahmt, und oft erst nach mehreren Wochen und der Zahlung von reichlich harten D-Mark kam der Pilot wieder frei, das Flugzeug war meist für immer "verloren".

Vorstellung der Briefmarke 100 Jahre Segelflug

Aber nach dem Fall der Mauer war auch der Weg nach Osten endlich wieder frei, und die neue Freiheit erzeugte auch einen enormen Aufwind für die Fliegerei. Die Wasserkuppe lag wieder inmitten der thermisch sehr günstigen Rhön und dem Thüringer Wald, und war wieder idealer Ausgangspunkt für ausgiebige Streckenflüge und auch der Bereich Motorflug hatte jetzt einen höheren Stellenwert, der mit dem Bau der Alsphalt-Piste dokumentiert wurde. Auch die Umbenennung von Segelflugschule in Fliegerschule Wasserkuppe zeigt sich darin.

2011 feierte die GFS dann das Jubiläum "100 Jahre Segelflug", was sogar mit einer Sonder-Briefmarke gewürdigt wurde. Ein großer Segelflug-Wettbewerb bildete dabei den Höhepunkt des gesamten Veranstaltungsjahrs. 2014 feierte die Fliegerschule dann ihr 90-jähriges Bestehen im neuen Gebäude, das gerade fertiggestellt wurde und einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Fliegerei auf der Wasserkuppe darstellt.